Die Geschichte über mich und meine Geister.

Eine etwas andere Geschichte.
Hallo Welt,
ich bin Jana.
Und du kannst mich noch so oft auf den Boden drücken.
Ich stehe wieder auf.
Ich habe mich dazu entschieden, diese ehrlichen Worte zu verfassen, um andere zu ermutigen. Um zu zeigen, dass es okay ist, wie man ist. Ob nun im Licht, in der Dunkelheit oder dazwischen.
Wir gehen alle unseren eigenen Weg und wie wir ihn gehen und wohin er uns führt, liegt allein an uns.
Und es dauert, so lange wie es dauert, ob wir uns nun verirren, das Ziel vor Augen verlieren oder ob wir stolpern.
Es spielt keine Rolle, solange wir uns nicht selbst verlieren.

Hallo, ich bin Jana.
Diese Geschichte soll euch nicht mit meinem Lebenslauf langweilen. Ich bin kein Fan von Worten, die gesprochen werden müssen, weil man das eben so macht. Ich bin Fan von Worten, die gesprochen werden, weil sie gesprochen werden wollen.
Es gab Zeiten, da hätte ich mir nicht zugetraut, diese Art Text über mich zu verfassen. Aber jetzt bin ich wohl soweit, denn die Worte wollen geschrieben werden.
Wer sich wirklich dafür interessiert, wer ich bin, den will ich an die Hand nehmen und zeigen, wer sich hinter dem Namen Jana Stehr versteckt.
Denn verstecken ist etwas, das ich gern mache.
Nicht bewusst. Unbewusst.
Wenn du mir in die Tiefen meines Inneren folgst, verstehst du warum. Aber Achtung – nehm dir ein Licht mit, denn manche Orte sind dunkel.
Ich bin nicht extrovertiert. Ich bin auch nicht introvertiert.
Ich bin einfach selbstorientiert.
Manchmal liege ich in der flüsternden Sonne, die mich in warme Worte einhüllt. Das kitzelnde Gras unter mir und über mir die malerischen Wolken. Manchmal stehe ich im Schatten. In meiner eigenen Dunkelheit, sehe nichts, fühle nichts, irre umher in meinem Selbst eingesperrt.
Ich bin eine Blume. Ich zeige mich nur, wenn die Sonne scheint.
Deswegen sehen mich viele als aufgeschlossene, glückliche und optimistische Person und darüber bin ich froh, weil das die Eigenschaften von mir sind, auf die ich wirklich stolz bin, aber …
Ich bin ein verdammtes Geisterschloss.
Aufgeschlossen mit verschlossenen Türen. Und nur einer hält den Generalschlüssel und das bin nicht mehr ich. Mein Held hat ihn in meinem Herzen gefunden und manchmal fürchte ich, er könnte einen Raum betreten, der ihn verjagt. Also wundert euch nicht, wenn ihr einen Mann in meinem Inneren trefft; er erkundet mich heute und morgen und übermorgen. Zu viele Türen, zu viele Räume gibt es zu entdecken.
Ich weiß selbst nicht, aus wie vielen Zimmern ich bestehe. Wie viele Geister ich eingesperrt habe.
Kennt ihr das, wenn ihr Erinnerungen verdrängt?
Diesen Abwehrmechanismus beherrsche ich meisterhaft. Es lebt sicht besser so, finde ich. Das ist vermutlich der Grund, warum mich viele immer als das glückliche Mädchen bezeichnen, das die Dinge anpackt und macht, was sie sich vornimmt.
Das stimmt auch.
Ich will Bücher schreiben, also schreibe ich. Ich will studieren, also studiere ich. Ich will mich selbstständig machen – warum auch nicht, wenn es möglich ist?
Ich sehe keine Hindernisse. Ich sehe nur das Ziel.
Aber wer denkt, ich gehöre zu den Menschen, die von Anfang an so tickten, die ihre Ziele erreichen, glücklich und erfolgreich sind, die muss ich enttäuschen.
Ich will euch nichts vormachen. Ich bin nur ein Mensch. Mit Fehlern. Mit Vergangenheit. Ein bisschen kaputt. Unperfekt, perfekt.
Denn in wem von uns geistert nicht auch mal der ein oder andere schlechte Gedanke? Erinnerungen, die uns einholen?
Ich möchte heute mutig sein und führe euch durch mein Schloss, zeige euch die Namen meiner Geister, die mich als Kind und Heranwachsende geprägt haben:
Die Stille.
Der Verlust.
Die Beleidigung.
Der Neid.
Das zu schnelle Erwachsenwerden.
Der Vergleich.
Der Druck.
Die Zeit.
Die Stille ist eine Hassliebe. Ich hasse sie, weil sie mich an den Tod erinnert. Weil sie mich immer wieder an diesen einen Moment zurück erinnert, als ich als achtjähriges Mädchen meine Mutter verloren habe und keiner sich traute, diese furchtbare Stille zu durchbrechen. Ich hasse sie, weil sie ein Zeichen ist, dass jemand gegangen ist, dass ich allein bin, dass etwas für immer verschwunden ist. Und manchmal ist die Stille mein Feind, weil sie der Grund ist, früher oft gehänselt worden zu sein. Die Stille. Ich war immer die Stille. Sie sagten, dass ich das sei, was ich hasste und das zerstörte mich und ich fing an, Türen zu verschließen.
Ich weiß, Kinder können grausam sein. Sie wissen nicht, welche Gewalt Worte haben. Sie wussten auch nicht, dass man ein Mädchen nicht verspotten sollte, weil es seine Mutter nicht mehr hatte.
Ich sprach nicht darüber. Mit niemandem. Und irgendwann verlor ich die letzten Worte, weil ich in irgendeinem verschlossenen Raum mein Wörterbuch verlor. Der Grund, warum mich bis heute Wortfindungsstörungen quälen. Der Grund, warum ich stumm lächle, aber eigentlich weine.
Und dann wurde es komplett …
Still.
Gefangen im Geisterschloss sah ich aus den Fenstern, sah glückliche Familien, Töchter, die mit ihren Müttern etwas unternahmen und ich wollte es mir nicht eingestehen, aber es füllte mein Herz mit Bitterkeit.
Ich nagelte auch die Fenster zu und dann …
Dunkelheit.
Ich hatte gar keine Wahl, ich lernte, die Stille zu lieben, obwohl sie es war, die mich einsperrte. Stockholm-Syndrom.
Traurig – aber sie war wenigstens immer bei mir. Wurde ein Teil von mir. Wenn es still ist, weiß ich, dass niemand da ist, der mich verletzen kann. Meine Schulzeit müsst ihr euch so vorstellen: Ich war die, die es schwer hatte, Freunde zu finden, weil ihre beste Freundin, die Stille, von niemanden gemocht wurde.
Ich habe diese Zeit verflucht, denn ich verbrachte sie nicht nur überwiegend mit Menschen, die mich nicht verstanden, man wurde auch noch täglich verglichen. Sei es von Lehrern, von der Familie, Verwandten oder sogar Schulkollegen.
Täglich wurde man bewertet, als wäre man eine verdammte Konserve aus dem Supermarkt.
Deine äußere Erscheinung kann noch so schön sein, wenn dein Inhalt nicht überzeugt. Zu viele Geschmacksverstärker, zu wenig Ich. Und dennoch war ich das Herzgulasch im unteren Regal, das zum Kobe-Rind aufblickte.
Der Druck war heftig und ich wurde fleißig. Lernte und lernte. Verbrachte die kostbare Zeit meines Lebens damit, wie andere sein zu wollen. Das war dumm, hat mich unnötige Wege gehen lassen, die ich eigentlich nicht gehen wollte: ein Wirtschaftsgymnasium war nicht gerade die beste Wahl für jemanden, der sich in Tagträumen versteckt und wie von selbst zum Bleistift fand, um Zeichnungen auf seine Notizen zu kritzeln.
Ich dachte, das muss so sein. Lernen, was man nicht mag, nur, um später einen Job zu bekommen, in dem man gutes Geld verdient. So ist das Leben. Wenn du nicht weißt, was du werden willst, dann ist das dein Weg. Das war kein Weg, das war der Gang zum Schafott, der einem die Persönlichkeit ausbrennen sollte.
Ich wurde zum Geist.
Taub vom Rasseln der Ketten. Steif vor Kälte. Verloren in Einsamkeit.
Mein Held hat mich gerettet. Er klopfte an, war der Erste, der mir Zeit gab, meine Stille verstand und sie durchbrach. Der mich mit seinen Gedichten und seinen Berührungen wieder lebendig machte.
»Ich bin nicht gesprächig.«
»Das ist okay.«
Bei ihm wollte ich zum allerersten Mal gesprächig sein.
Es veränderte mich. Ich war immer noch im Geisterschloss, aber zumindest lebendig. Und er war da. Entfernte Ketten, riss die Barrikaden von den Fenstern und ließ Licht herein.
Ich warf ein Blick nach draußen.
Und dann war da meine Oma, die mich immer wieder ermutigte, alles zu schmeißen, um das zu machen, was mich erfüllt. Was mir Spaß macht.
»Du bist kreativ. Du kannst so viel. Warum machst du nicht einfach dein Ding?«
Ich belächelte sie immer nur. Dachte, wie stellt sie sich das vor? Ich muss doch Geld verdienen. Mit dem, was ich gerne mache, würde ich niemals über die Runden kommen. Aber insgeheim fragte und fragte ich mich: ja, warum?
Eines Tages entdeckte ich das Schreiben für mich wieder und ich fand heraus, dass es mich unglaublich leichter machte, meine Emotionen nicht mehr hinter Türen zu verschließen, sondern in Texten.
In all meinen Werken steckt der Hauch meines eigenen Wahnsinns. Vom Geist, zur Furcht vor der Stille, bis zur inneren Zerrissenheit, krankhafter Perfektion und darüber hinaus.
Wörter haben mich verletzt. Haben mir auf schmerzhafte Art und Weise gezeigt, wie real sie sein können. Und jetzt nutze ich die Gewalt der Worte und schreibe Bücher. Schreibe Bücher, die man fühlt.
Aber das ist ein Thema, von dem ich euch ein anderes Mal erzählen werde.
Und heute?
Ich wünschte, meine Oma hätte noch miterlebt, was ich heute aus mir gemacht habe. Sie wäre vermutlich mächtig stolz. Und das bin ich auch. Ich will nicht sagen, das mein Leben schlecht war. Aber einfach war es nicht.
Haltet mich bitte nicht für eine Wahnsinnige, mir geht es gut. All das war nötig, um zu werden, wer ich heute bin. Ich bin ernsthaft glücklich, mit meinen heutigen Berufen und meiner Einstellung dem Leben gegenüber, denn ich bin meinen Weg gegangen und nicht den, den man für mich vorgesehen hat.
Und ich bin gerne still, denn …
Manchmal stehe ich in der flüsternden Sonne und manchmal im Schatten und lausche der Stille und das ist okay, denn das bin ich, einfach ich.
Danke für alle, die bis zum Ende gelesen haben. ♥

Bis bald!
Eure Jana

