Aufgeben.

Ich wollte heute aufgeben.
Gestern schlug mein Herz schnell. Vor Glück. Vor Zufriedenheit. Wohliger Zufriedenheit.
Heute schlägt mein Herz schnell. Aus Verzweiflung. Aus Angst. Wahrhaftiger Angst.
Manchmal bin ich stark, ehrgeizig, voller Zuversicht. Dann gibt es diese Tage, an denen ich zu schwach bin, zu kaputt, zu verletzlich.
Heute ist einer dieser Tage. Heute wollte ich aufgeben.
Am Morgen habe ich noch geschrieben. Habe zwischen sechs und neun Uhr mein Schreibziel erreicht. War in der Welt von Spinne und Glühwürmchen, war Feuer und Flamme, weil ich seit dem ersten Satz des ersten Teils diesem ganz speziellen Ende der Trilogie entgegenfiebere.
Das Ende meiner Geschichte.
Die Grundidee dieses Buches, die sich leider erst im drittel Teil komplett erklärt, ist für mich etwas ganz Besonderes. Die Dunkelheit vor der ich mich fürchte.
Heute wollte ich aufgeben.
Sie haben ein Wort gelesen und dachten, sie kennen den Satz.
Man hat Wasser über mich gekippt.
Und manchmal kann ich noch so stark brennen und noch so groß sein. Wenn mir etwas am Herzen liegt, es mir so viel bedeutet, reicht ein Tropfen und ich bin aus.
Jetzt ist es dunkel und kalt.
Und ich schwimme in der Pfütze meiner Sorgen und Ängste, hole mir eine Erkältung und ich weiß, ich werde wieder Wochen brauchen, um mich davon zu erholen.
Es gibt diese Tage.
Und es ist kein Geheimnis.
Ich war ehrlich zu euch, bin ehrlich zu euch, will in Zukunft ehrlich zu euch sein:
Ich bin ein unsicherer Mensch.
Verziehe mich gern in mein dunkles, doch warmes Geisterschloss, bin gerne für mich allein. Hier ist es sicher. Hier kann ich einfach Ich sein, ohne von anderen verglichen oder kritisiert zu werden. Vergrabe meine Nase in meinen gestrichenen Tagebüchern, um mich zu erinnern, dass es Schlimmeres gibt. Diese Stille, diese eine bestimmte furchtbare Stille.
Und meine gestrichenen Zeilen sind ein Teil von mir, helfen mir, und man wird sie mir nicht nehmen können, ich werde streichen, immer wieder streichen, weil streichen manchmal das einzig Richtige ist. Ich streiche, seit ich Kind bin und ich habe nie jemanden gezwungen, mit rechts zu schreiben, obwohl er es gewohnt ist, mit links zu schreiben. Warum wollen mich immer alle umkrempeln?
Es gibt nur ein Problem: Ich bin still, meine Bücher laut und wenn sie gelesen werden wollen, müssen sie raus.
Einige werden sie lesen, werden meine versteckten Botschaften in ihnen verstehen und es wird ihnen gefallen.
Andere werden die Seiten zerfetzen, mein Herz zerreißen sie nicht mögen.
Und dann ist da dieses Vergleichen.
Ich hasse es, verglichen zu werden.
Hallo, du faire Welt.
Verlangst du von mir, mein Essen nicht salzen zu dürfen, weil das auch andere machen? Weil es heute im Trend ist, sich abzuheben, aber trotzdem einem Ideal entsprechen zu müssen?
Und wieder bin ich da, wo ich niemals wieder hinwollte: im Supermarktregal.
Ein Produkt, das verglichen wird, die Gulaschsuppe, die neben anderen Gulaschsuppen steht. Einige glänzen, andere stauben ein.
Gulasch gibt es schon? Sei etwas anders.
Ich wurde als Gulasch geboren, wie kann ich anders sein?
Nur weil ein anderes Gulasch mit Pfeffer gewürzt wird, darf ich nicht nach Pfeffer schmecken?
Ich liebe Dystopie, habe bereits als Kind die ersten Bücher in diesem Genre verschlungen. Wie ungerecht ist es, nicht in diesem Genre schreiben zu dürfen, nur weil ich nach Pfeffer schmecke?
Ich habe heute darüber nachgedacht, meine Veröffentlichung in die Tonne zu treten.
Dachte, wie passend, gerade heute schrieb ich den Satz für Juri:
Man wird so lange so lange an mir herumzuexperimentieren, bis ich so widerwärtig mutiert bin, um nur noch für die Tonne gut zu sein.
Manchmal ähneln wir uns sehr, Juri und ich. Ich denke auch oft daran, wann andere endlich aufhören werden, über mein Leben zu bestimmen. Wann sie endlich verstehen, dass ich auch als Gulasch einzigartig und gut genug sein kann.
Und dann möchte ich einmal in meinem Leben egoistisch sein und behaupten, sie hätten es nicht verdient, ihre Bäuche mit mir zu füllen.
Und dann will ich meine Geschichten wieder für mich allein, dort, wo sie sicher sind, dort, wo ich sie beschützen, behüten kann. Aber das würde meine Pflicht als Autorin meinen Büchern gegenüber verletzen.
Sie sind meine Kinder.
Wer sperrt denn seine Kinder ein?
Kommentare können aus dir einen Verbrecher machen.
Ob sie dich nun beschuldigen
oder du dich einfach vor der Öffentlichkeit drückst, weil du zu schwach bist und deswegen deine Geschichten missbrauchst und sie wegsperrst.
Wir alle treffen Entscheidungen. Wir alle tragen die Verantwortung.
Und wenn der Dezember dunkel bleibt und nicht leuchtet,
fehlt mir einfach die Kraft für mein Autoren Happy End am Ende des Jahres.
Danke für alle, die bis zum Ende gelesen haben. ♥

Bis bald!
Eure Jana

