Meine erste Buchmesse als Autorin

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AM

Die Geschichte über Aschenputtel und dem Bücherball.

Angekommen.

Hallo Buchmesse, ich bin die gestrichene Zeile auf deinem Platz der Sätze. 

Raus aus dem stillen Geisterschloss, rauf auf die laute Messehochburg.

Wie immer soll dieser Text Mut machen. Denn obwohl ich dachte, mich niemals auf einer Buchmesse derartiger Größe wiederzufinden war ich dort.
Sicherlich ist ein Messebesuch nicht für jeden etwas. Während es für die einen das spaßige Auf und Ab in einem lustigen Karussell ist, völlig harmlos, ist es für andere die halsbrecherische Achterbahnfahrt, kurz vor einer Panikattacke, in dem Wissen, dass ein Ausstieg nicht mehr möglich ist.

Aber ich möchte euch heute sagen: Ein Ausstieg ist immer möglich.
Dennoch: nicht immer nötig.


Ich habe mein Geisterschloss für einen Tag verlassen und das Event überlebt erlebt.

Die Frankfurter Buchmesse liegt jetzt ein paar Tage zurück. Ich habe mir absichtlich Zeit gelassen, die Eindrücke vernünftig zu verdauen. Meinen Kopf zur Ruhe kommen zu lassen, meinem Körper die Entspannung nach der Anspannung zu gönnen.

Hätte ich direkt im Anschluss einen Text verfasst, wäre dieser wohl sehr aufgeregt gewesen.

Denn das war ich: unbeschreiblich aufgeregt. Die Tage danach war mein Herz noch am Flattern, weil mein Kopf sich irgendwo zwischen Looping und freien Fall aufgehängt hat.
Aber er hat nicht geschrien.
Er hat gelacht.
War glücklich.
War aber auch erleichtert, als es geschafft war.

Die Buchmesse war anstrengend schön.

Ich möchte euch die Geschichte von Anfang an erzählen und ehrlich sein: Die Tage vor der Buchmesse waren durchwachsen, so kurz vor ich packe es nicht. Und die Geister flüsterten: Du gehörst nicht auf das Fest der Burg, du gehörst in den Keller, dort, wo du dem wilden Treiben lauschen kannst, ohne gesehen zu werden.

Meine Angst war die böse Stiefmutter, die mich hart für dieses Ereignis schuften ließ, mich aber nicht auf den Bücherball lassen wollte.

Letztes Jahr schrieb ich mir die Finger wund, um mich von der Messe abzulenken. War wehmütig. Lauschte. Sah aus dem Fenster – Kino Social Media, sah prachtvolle Bücherkleider, glückliche Menschen. Dachte, wie schön es wäre, sie persönlich zu treffen und die Trends der Büchermode zu bestaunen. War besorgt, weil die freundliche Buchbubble stets wie eine Fantasiewelt wirkte, in der alles möglich ist, aber nichts echt, die in der Realität nicht existiert. Dachte, die böse Stiefmutter Angst hat recht, ich gehöre nicht auf den Ball der Bücher. Niemand würde sich um dieses Staubkorn scheren, der seine gestrichenen Zeilen über die gebohnerten Fliesen trägt.
Ich kehrte den Dreck meiner Enttäuschung zusammen, in dem Wissen, ewig mit Asche im Gesicht herumzulaufen, weil ich mich nie gegen Stiefmutter Angst stellen würde. Redete mir ein, das sei so in Ordnung. So bin ich halt. Nicht dafür gemacht. Ein Jemand, nicht für das Licht bestimmt, ein jemand, der in dunklen Schatten schwimmt. Und dennoch, dennoch, dennoch blickte ich aus dem Fenster und erkannte Gesichter, die sich auf dem Weg zur Buchmesse machten. Schwermut zupfte an meinem Herzen:

Ich wollte auch.

Ich gebe zu, meine kleinen persönlichen Erfolge, die ich in den letzten Monaten feiern konnte wie meine erste Buchveröffentlichung, den Zuspruch so vieler lieber Menschen und die ersten Rezensionen haben mich mutiger werden lassen. Es brauchte einen letzten Schubs und das war die Bestärkung und Unterstützung meines Helden.

»Du wolltest ein Buch schreiben. Jetzt hast du vier geschrieben, eins davon veröffentlicht. Du wolltest für andere illustrieren, jetzt bist du Freiberuflerin. Du wolltest studieren, du ziehst es durch. Du willst auf die Buchmesse? Dann gehst du auf die Buchmesse.«

Ich habe Stiefmutter Angst die Stirn geboten.
Hinter ihrem Rücken meine Messekarte bestellt, Hotel gebucht, das man nicht kostenlos stornieren konnte, viel Geld ausgegeben, um mir einen Rückzieher schwer zu machen.

Und der Tag rückte näher, immer näher. Mein Held sagte mir dann folgende Worte, an die ich jetzt immer festhalten möchte:

»Du kannst jederzeit gehen, wenn es dir zu viel wird und dann machen wir uns einen schönen Tag in Frankfurt.«

Es wurde zu meinem Mantra.

Ich wusste, egal wie es enden wird, dieser Schritt, den ich bereits mit dem Ticketkauf gegangen bin, würde mich noch lange mit Stolz erfüllen.

Als es dann so weit war, habe ich mir eine Apokalypse gewünscht.

Zombieansturm verhindert Buchmesse. Den Ansturm gab es, nur die Zombies nicht.

Ich stand vor dem Eingang, viel zu früh, viel zu aufgelöst. Ich wollte hinschmeißen. Held und Fellfee beruhigten mich und so ging Aschenputtel die Treppen zum Bücherball hinauf. Allein. Ziellos. Ohne Erwartungen.
Das war mir wichtig, ich wollte mir für das erste Mal nichts vornehmen, wollte das Ganze einfach nur auf mich wirken lassen, um es kennenzulernen, um mich damit vertraut zu machen. Um mir die Freiheit zu geben, nach einer Sekunde, Minute oder Stunde abbrechen zu können.

Ich brach nicht ab. Ich bin geblieben.

Der Andrang war heftig, dennoch genoss ich die noch überschaubare Stunde nach Öffnung und erkundete Halle 3.

Jemand erkannte mich. Sprach mich an, sprach über mein Buch, verschlug mir die Sprache, weil sie schwärmte. Jemand schwärmte von meinem Buch. Ich wollte weinen. Vor Freude, vor Glück.

Danke, du lieber Mensch. Du hast meinem Kleid Flügel wachsen lassen und sie waren schön, so schön.

Ich ging mit stark klopfenden Herzen durch die Messe, lächelnd. Verschenkte Illustrationen, verkaufte sogar noch die Exemplare von Fuchs & Krähe, die ich mitnahm. Traf Lesende, die sich für mich und meine Bücher interessierten.

Und das Verwunderlichste und Schönste:

Es fühlte sich nach Freundschaft an.

Ich traf Mitglieder meiner eigenen kleinen Buchbubble und es war ein Ankommen, kein Ertragen, keine Flucht.

Ehrlich gesagt, hätte ich nicht damit gerechnet. Das Reden fiel nicht schwer, weil diese unglaublich tollen Personen mich mit meinen gestrichenen Zeilen wertschätzen, mir ihre Zeilen zeigten und wir zusammen eine wunderbare Geschichte ergaben.

Ich danke euch.

Ihr habt meine erste Messe zu etwas ganz Wundervollen werden lassen.

Und zukünftige Events?

Werde ich nicht meiden. Denn auch, wenn die Angst immer bleiben wird; ich kann hingehen und verlassen, wann ich will.

Und selbst wenn: Abbrechen ist kein Schritt zurück, er ist ein Schritt in eine andere Richtung, auf den man ebenfalls stolz sein kann, denn man hat es versucht.

Danke für alle, die bis zum Ende gelesen haben. ♥


Bis bald!

Eure Jana